Denguefieber - The bone breaker

Information:

Zu den am weitesten verbreiteten und am häufigsten übertragenen fieberhaften Infektionen gehört das Denguefieber. Vom Mittleren bis Fernen Osten, Australien und Ozeanien, in Afrika und in Süd- und Mittelamerika, ja vereinzelt sogar in den Südstaaten der USA erkranken jährlich mindestens 100 Mio Menschen. Auch wenn diese Infektion als relativ harmlos gilt, führt sie weltweit zu mindestens 500.000 Hospitalisierungen. Die Zahl der Todesfälle wird auf mindestens 20.000 geschätzt.

In ihrer klassischen Verlaufsform treten etwa 5 Tage nach der Infektion Fieber, schwere Kopfschmerzen, die vor allem hinter den Augen verspürt werden und heftige Muskelschmerzen auf. Bewegungen sind in dieser Krankheitsphase so schmerzhaft, daß der Beiname "bone breaker" absolut verständlich wird. Zusätzlich bestehen oft Bauchschmerzen und Erbrechen und ängstlich-depressive Verstimmungen.
Nach etwa 6 Tagen fiebern die Betroffenen für kurze Zeit ab, doch es meldet sich die Krankheit nach spätestens 2 Tagen wieder zurück, diesmal mit einem kleinfleckigen Hautausschlag und erneut hohem Fieber, das weitere 1-5 Tage anhält.
Nach Überstehen der Krankheit plagen die Rekonvaleszenten oft wochenlang Niedergeschlagenheit oder gar anhaltende Depressionen.

Neben dem klassischen Verlauf kommen leichte Erkrankungen, die von einem grippalen Infekt nicht zu unterscheiden sind, aber auch schwere Krankheitsverläufe mit Blutungen (hämorrhagisches Dengue Fieber) und akutem Kreislaufversagen (Dengue Schock Syndrom) vor. Diesen glücklicherweise seltenen Ausprägungen des Denguefiebers sind die Todesfolgen dieser Erkrankung zuzuschreiben. Diese schweren Verlaufsformen sieht man zudem fast ausschließlich bei Menschen nach wiederholter Infektion.

Die Behandlung des Dengue-Fiebers ist rein palliativer Natur und besteht in Fiebersenkung, Schmerzlinderung (NICHT Aspirin und andere ASS-Produkte) und Überwachung des Patienten. Eine kausale Therapie existiert nicht.

Der Verursacher des Denguefiebers ist ein Virus, das mit dem Erreger unserer Zeckenmeningitis verwandt ist. Leider geht die Verwandtschaft nicht so weit, daß die FSME-Impfung gegen das Denguefieber schützt. Anders auch als das FSME Virus werden die Denguefieberviren nicht durch Zecken, sondern durch Mosquitos der Gattung Aedes übertragen.

Denguefieber hat die Tendenz, epidemisch aufzutreten, wobei selbst in so kleinen Ländern wie z.B. in Kuba innerhalb eines Jahres 300.000 Menschen erkrankt sind. Heute wissen wir, daß Klimafaktoren einen entscheidenden Einfluss auf die Übertragungshäufigkeit haben. In Zeiten großer Hitze entwickeln sich auffallend kleine Mücken, die gezwungen sind, häufiger Blut zu saugen, als ihre gut entwickelten Artgenossen. Zudem begünstigen hohe Umgebungstemperaturen die Entwicklung des Denguefiebervirus in der Mücke. Reichlich Regen fördert die Vermehrung dieser Mücken. Ihre Brut braucht zur Entwicklung nur kleine Wasseransammlungen, wie etwa in Schalen von Kokosnüssen oder weggeworfenen Plastikbehältern. Aedesmücken kommen damit in Stadt und Land gleichermaßen vor, vorausgesetzt, es ist warm genug; und das ist es zwischen dem 30. nördlichen und 20. südlichen Breitengrad.

Der Schutz vor Denguefieber ist problematisch, weil die Überträgermücken tagaktiv sind. Häufiges Auftragen von Insektenschutzmittel auf die unbekleidete Haut, aber auch das Imprägnieren der Kleidung (bewährt hat sich Nobite, das es auch als Mittel zur Imprägnierung der Textilien gibt) sollte bei Reisen in Gebiete mit hoher Übertragungswahrscheinlichkeit zur Routine werden. Seit langem wird an der Entwicklung von Schutzimpfungen gegen Denguefieber gearbeitet, seit Dezember 2015 gibt es erste Zulassungen für einen Impfstoff ("Dengvaxia", Mexico). Der Impfstoff ist allerdings hinsichtlich seiner Wirksamkeit und Sinnhaftigkeit, auch und vor allem als Reiseimpfung, nicht unumstritten. Auf Alternativen wird wohl noch etwas länger gewartet werden müssen.

Bis dahin wird das Denguefieber ein wenig vermeidbares Risiko für Ferntouristen bleiben.

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