Babys und Kleinkinder auf großer
Fahrt in die Tropen

Es ist eine alte Streitfrage, ob Säuglinge und Kleinkinder in den Urlaub in tropische und subtropische Regionen mitgenommen werden sollen, oder nicht.

Argumente dagegen sind:

  • Unzureichende ärztliche Versorgung

  • schlechte Hygiene-Bedingungen und damit
    Gefahr schwerer

  • Durchfälle (die im Kleinkindesalter rasch lebensbedrohlich werden können).

  • Notwendigkeit tropenspezifischer Immunisierungen,
    die den ohnehin überfrachteten Impfkalender für Kleinkinder weiter aufblähen.

  • Fallweise Notwendigkeit regelmäßiger Tabletteneinnahme gegen die Malaria stellt für schluckunwillige Kinder ein ernstes Problem dar.

  • Lange Anreise

  • stellt die Geduld der Kinder und Eltern gleichermaßen
    auf die Probe.


Argumente dafür sind:

  • Keine urlaubsbedingte Trennung der Kinder von ihren Eltern (Kinder fühlen sich abgeschoben)

  • Säuglinge und Kleinkinder leiden häufig unter Infektionen der Luftwege, die im feucht-warmen Tropenklima rasch abheilen.


Vorurteile:

Kinder vertragen das Tropenklima nicht.
Wahr ist, daß Kinder das Tropenklima eher besser vertragen, als Erwachsene.

Kinder vertragen die Impfungen schlecht.
Wahr ist, daß Kinder Impfungen genauso gut vertragen, wie Erwachsene

Kinder dürfen nicht geimpft werden, wenn sie "verkühlt" sind.
Wahr ist, daß eine Verkühlung, selbst dann, wenn leichtes Fieber besteht, keine Kontraindikation für Impfungen darstellt und daher die Impfpläne vor Reiseantritt leicht einzuhalten sind.

Impfplan:
Unmittelbar nach Buchung der Reise, idealerweise aber etwa einen Monat vor einer geplanten Reise, sollte bereits telefonischer Kontakt mit dem Tropeninstitut (Tel.: 402 68 61-0, Mo - Fr 08.00-20.00Uhr und Samstag 09.00 bis 17:00 Uhr) aufgenommen und Informationen über die empfohlenen Prophylaxemaßnahmen eingeholt werden.

Im allgemeinen genügt es, die Tropenimpfungen etwa 4 bis 6 Wochen vor Reiseantritt in Angriff zu nehmen.
Wichtig ist es hierbei , die Impfdokumente des Kindes mitzubringen.

Die Tuberkuloseschutzimpfung ist selbst unter den Fachleuten ein kontroversielles Thema; in Österreich wird diese Impfung als Kinderimpfung nicht durchgeführt. Dem steht eine dramatische Zunahme der Tuberkuloseerkrankungen in den Entwicklungländern gegenüber, von der ganz besonders Entwicklungsländer betroffen sind. Wenn auch die Tuberkuloseschutzimpfung vermutlich nur einen geringen Schutz vor der Infektion zu vermitteln imstande ist, so ist zumindest ein Schutz vor schweren Krankheitsverläufen gewährleistet.

Fast alle Kinder sind ausreichend gegen Tetanus, Diphtherie und Kinderlähmung geimpft. Nur bei den ganz Kleinen (< 1 Jahr) klaffen noch Impflücken, die noch vor der Reise zu schließen sind.

Auch sollte noch vor der Tropenreise die Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln durchgeführt werden, weil das Infektionsrisiko in den Tropen weitaus größer ist, als in den Industrieländern. Die Impfung wird planmäßig um das 15. Lebensmonat gemacht, kann aber bei entsprechenden Reiseplänen bis zu 3 Monate vorverlegt werden.

Impfungen gegen Darminfektionen (Cholera, Typhus) sind bei den Kindern immer dann angezeigt, wenn sie bereits bei Tisch mitessen. Bei den Kindern die noch voll gestillt oder die ausschließlich mit der Flasche ernährt werden, kann die Impfung gegen Cholera und Typhus entfallen.

Die Gefahr einer Infektion mit dem Hepatitis A - Virus ist in den Tropen 100-500 mal so hoch, wie in den Industrieländern. Aus diesem Grund wird die Hepatitisprophylaxe allgemein allen Tropenreisenden empfohlen.

Am besten ist es, die aktive Immunisierung gegen Hepatitis A zusammen mit der im Kinderimpfplan vorgesehenen Hepatitis B-Impfung in einem zu machen; für diesen Zweck steht eine Kombinationsimpfung zur Verfügung (Twinrix® für Kinder)

Bei Reisen in Länder des tropischen Afrika und Südamerika ergibt sich die Notwendigkeit, die Gelbfieberimpfung durchzuführen. Diese Impfung darf aber bei Kindern vor Vollendung des ersten Lebensjahres nicht vorgenommen werden. Daher ist die Mitnahme von Säuglingen in Gelbfiebergebiete wenig empfehlenswert. Ältere Kinder können geimpft werden und vertragen diese Impfung auch gut.

In zahlreichen Ländern , die in der Sahelzone gelegen sind aber auch in manchen Ländern des Nahen Ostens sowie in Nepal und Indien besteht ein Übertragungsrisiko für die Meningokokkenmeningitis (epidemische Hirnhautentzündung), das bis zu 1000 mal höher liegt, als in den Industrieländern.

Die Infektion wird als Tröpfcheninfektion übertragen, d.h. Kinder sind besonders gefährdet (europäische, namentlich blonde Kinder sind in vielen Tropenländern eine Sensation, sie erfahren viel zärtliche Zuwendung durch die Einheimischen und sind Tröpfcheninfektionen besonders ausgesetzt). Eine Impfung gegen die Meningokokkenmeningitis ist daher für Kinder bei Reisen in die oben genannten Länder besonders empfehlenswert. Die Impfung, die ältere Kinder und Erwachsene bis zu 3 Jahre schützt, ist bei Säuglingen und Kleinkindern viel weniger wirksam und muß daher im Jahresabstand aufgefrischt werden.

Eine der gefährlichsten Infektionen in Tropenländern ist die Malaria, die allein in Afrika jedes Jahr bis zu einer Million Kinder das Leben kostet. Es ist bei Kindern genauso wichtig, wie bei Erwachsenen, die medikamentöse Prophylaxe rechtzeitig, regelmäßig und lang genug einzunehmen. Auch wenn Kleinkinder und vor allem Säuglinge oft nur schwer zur Tabletteneinnahme zu bewegen sind, darf man nicht falsches Mitleid walten lassen. Jeder Trick ist erlaubt, die erforderliche Medikamenteneinnahme durchzusetzen!

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